01.-04.08.2019 | Bericht zur Exkursion in die Kulturmetropole nach Wroclaw

Zwerge in Wroclaw

 

Nicht nur die Zwerge lieben Wroclaw (Breslau), auch unser Freundeskreis wählte Europas Kulturhauptstadt 2016 – eine der ältesten und schönsten Städte Polens – als Ziel der diesjährigen Mehrtages-Exkursion.

Kirche in Schweidnitz

Einer Empfehlung von Roland Meinel folgend, legten wir auf der Hinfahrt einen Zwischenstopp in Swidnice (Schweidnitz) an der evangelischen Friedenskirche „Zur Heiligen Dreifaltigkeit“ ein. Der von aussen schlicht wirkende Fachwerkbau hat Platz für 7000 Personen und weist eine imposante barocke Innenausstattung auf. Die Bezeichnung „Friedenskirche“ erinnert an den Westfälischen Friedensvertrag von 1648, in dem der katholische Kaiser seinen protestantischen Untertanen den Bau von drei Kirchen in Schlesien gestatten musste. Die Bedingungen waren allerdings: Standort außerhalb der Stadtmauern, ohne Turm und Glocken, Baumaterialien nur Holz, Sand, Stroh und Lehm, Bauzeit unter einem Jahr. Seit 2001 gehört die 1656/57 erbaute Kirche zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Exkursion Wroclaw

In Breslau machte uns die Stadtführerin, Frau K. Katlewicz, mit der wechselvollen Geschichte der schlesischen Metropole vertraut. Nach der Gründung des Bistums Breslau im Jahre 1000 waren wichtige – das Stadtbild und Stadtleben prägende – Etappen die Zerstörung der Stadt durch die Mongolen und ihr Wiederaufbau durch deutsche Siedler, die Herrschaft der polnischen Piastenherzöge sowie der Böhmischen Krone. Danach folgte die Herrschaft der Habsburger (1526 – 1741) und der Preußen (1742 – 1945), die NS-Herrschaft und der II. Weltkrieg, nach 1945 die „Westverschiebung Polens“ und schließlich die politische Wende 1989. Besonders ergreifend war die Schilderung der letzten Kriegstage 1945 in Breslau: Von Kindern und Kriegsversehrten musste ein Rollfeld mitten durch die Stadt gebaut werden. Kirchen, Villen, die berühmte Bibliothek und andere kulturhistorisch wertvolle Gebäude fielen dem Bau dieser sog. „Blutbahn“ durch Sprengung zum Opfer. Es wurde nur von einem einzigen Flugzeug benutzt – zur Flucht von NS-Gauleiter Hanke.

Wroclaw Dominsel

Nach dem 2. Weltkrieg begann der Wiederaufbau der historischen Gebäude in ihrer alten Gestalt in einer bis heute zu bewundernden Schönheit. Die Dominsel bildete die Keimzelle der Stadt; heute ist sie das religiöse Zentrum von Wroclaw.

Wroclaw ist heute eine quirlige und pulsierende Stadt mit ca. 640 000 Einwohnern. Nach der politischen Wende hat auch eine Neubewertung der deutschen Vergangenheit Breslaus eingesetzt.

 

 

Werkbundsiedling

Jahrhunderthalle

Dazu gehört auch ihr modernes Erbe, wie die Jahrhunderthalle und die vom Deutschen Werkbund 1929 als eine Modellsiedlung für modernes Bauen (vorgefertigte Bauelemente) und Wohnen errichtete Werkbundsiedlung. Die nach einem Entwurf von Max Berg aus Stahlbeton 1911-13 errichtete Jahrhunderthalle sollte an den Beitrag Breslaus zu den Befreiungskriegen gegen Napoleon erinnern; sie beeindruckt durch die 45 m hohe Kuppelhalle und wurde „als Pionierleistung des Stahlbetons und der modernen Architektur“ auf die Liste der UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen.

Die überall präsenten Zwerge waren ursprünglich Symbolfiguren des Widerstandes der Orange Alternative gegen das realsozialistische Regime in den 80er Jahren. Heute sind sie Kult und wir entdeckten sie mit Freude allerorts in Breslau.

Schloss Lomnitz

Schloss Schildau

Das malerische Hirschberger Tal, das Ende des 18. Jahrhunderts der preußische Adel für sich entdeckte und prächtige Schlösser, Herrensitze und Parks in der lieblichen Landschaft errichten ließ, war Ziel der nächsten Ausflüge. Schloss Lomnitz beherbergt Hotel, Restaurant und einen neu gestalteten Gutshof, alles inmitten einer großen Parkanlage. Die Dauerausstellung „Tal der Schlösser“ sowie das benachbarte Schloss Wojanow fanden großen Anklang.

Auch überraschten die „Tiroler Häuser“ in Zillertal-Erdmannsdorf (Myslakowice), die 1838/39 für über 400 protestantische Glaubensflüchtlinge aus dem Zillertal gebaut wurden. Durch die Fürsprache der Gräfin Frederike von Rehen gewährte der preußische König Friedrich Wilhelm III. diesen Vertriebenen Zuflucht und stellte ihnen Ackerland zur Verfügung, so dass sie mit Landwirtschaft ihren Lebensunterhalt bestreiten konnten. Der König nutzte das von ihm 1831 erworbene Schloss Erdmannsdorf als Sommerresidenz und ließ es von Schinkel umbauen und einen großzügigen Park anlegen.

Jelenia Gora (Hirschberg) ist seit dem 15. Jhd. auf Grund günstiger klimatischer Bedingungen ein Zentrum der Leinenweberei. Der historische Stadtkern mit barocken Patrizierhäusern, Laubengängen, Rathaus und modernen Skulpturen beeindruckten uns ebenso wie die prächtige Stadtpfarrkirche St. Erasmus und Pankratius.

Stabkirche Wang

In Karpacz (Krummhübel) geht es steil bergauf zur Holzkirche Wang. Diese Stabkirche wurde im 12. Jhd. in Südnorwegen gebaut und war der Kirchgemeinde zu klein und nicht mehr zeitgemäß. König Friedrich Wilhelm IV. kaufte sie 1841 für 427 Reichsmark. Und wieder begegnen wir Frederike, Gräfin von Rehen. Sie setzte sich dafür ein, dass die Kirche an dieser Stelle wieder aufgebaut wurde, an deren feierlicher Eröffnung 1844 die königliche Familie teilnahm.

Die Villa Wiesenstein in Agnetendorf (Jagniatkow) ließ sich Gerhard Hauptmann vom Berliner Architekten Hans Griesbach 1900/01 auf einem Granitfelsen im Stil der Neorenaissance errichten. Er lebte hier von 1901 bis zu seinem Tode 1946. Äußerlich an eine kleine Burg  erinnernd, ist sie im Inneren im Jugendstil gehalten und in der großzügigen Eingangshalle („Paradieshalle“) mit beeindruckenden Malereien versehen. Dieser Ort verknüpft wie kaum ein anderer die deutsch-polnische Geschichte und Kultur. Als Museum beherbergt das Haus heute ein Archiv, Sammlungen und eine Dauerausstellung zum Wirken des Literatur-Nobelpreisträgers.

Zwerge in Wroclaw

Ja, und wer in Sachsen einen Zwerg aus Breslau sehen möchte, sollte nach Dresden fahren. Dort steht seit dem 05.02.2015 am Hietzigbrunnen ein Exemplar mit den Stadtwappen von Dresden und Breslau in der Hand, ein Geschenk der Breslauer als Symbol der deutsch-polnischen Freundschaft.

Wir möchten uns ganz herzlich bei Prof. Dr. Werner Engewald und Hilka Weidig für die Vorbereitung und Organisation dieser eindrucksvollen Reise in unser Nachbarland bedanken.

Angela Schneeweiß
Mitglied Freundeskreis

Fotos: Hilka Weidig

Informationen zum Artikel:

Autor:
Datum: Sonntag, 22. September 2019 22:51
Themengebiet: Archiv, Exkursionen, Terminübersicht

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