02.08.-05.08.2018 | Kopenhagen: Design und Tivoli

Design Museum, Pop Art

In unserem Grassimuseum für Angewandte Kunst ist seit Anfang Juni die kleine-feine Sonderausstellung  „Made in Denmark“ zu sehen. Anlass für den Freundeskreis, die nördlichen Nachbarn in der diesjährigen 4-Tages-Sommerexkursion zu besuchen.

Nyhavn

Auch in Dänemark ist es Anfang August sonnig und sehr warm. Kaum mit dem kleinen Propellerflugzeug der Skandinavian Airlines aus Berlin/Tegel angekommen, erleben wir, wie die Kopenhagener dieses Wetter genießen: Die Stadt am Meer spielt freigiebig ihre Vorzüge aus. Im und am Wasser ist scheinbar ganz Kopenhagen unterwegs: Hafenbäder, öffentliche Bootsstege mit Sprungturm und Rutsche, Mietboote, Touristenboote, gelbe Wasserbusse, Hafenrestaurants und –bars, Hausboote, Kaimauern mit Bänken und Stühlen usw.

Tivoli Hotel

Auch wenn unser Designhotel Tivoli mit dem Werbeslogan  „hippes Hotel für junge Kreative“ wirbt, ist es genau der richtige Ort für uns: Gelegen im  Szeneviertel Vesterbro, welches vor kurzem noch Fabrik-, Hafen- und Bahnhofsgelände war, die Innenstadt gut erreichbar, die Zimmer sehr modern und das Design echt Tivoli-bunt.

Nyhavn, Sightseeingboote

Zuerst erhielten wir von unserer Reiseleiterin Hilka Weidig die Chipkarte „CopenhagenCard 72h“. Damit konnten wir den öffentlichen Nahverkehr und viele touristische Angebote nutzen.

Wie richtige Touristen lernten wir Kopenhagen zuerst durch eine Bootsfahrt kennen. Bei der Fahrt durch das verzweigte Hafen- und Kanalgebiet der Innenstadt sahen wir u.a. die Kleine Meerjungfrau, die moderne Nationaloper, die Marinegebäude der ehemaligen Seefahrernation, Amalienborg, die Reederei Maersk, Christiansborg, die Börse, alte Häuser in Nyhavn und modernes Leben, Arbeiten und Chillen am Wasser im Stadtteil Christianshavn.

Erster Raum im Design Museum

Am zweiten Reisetag standen wir morgens so überpünktlich vor dem  Designmuseum Danmark, dass noch nicht geöffnet war. Doch kurz darauf wurden wir herzlich durch die Pressefrau des Museums begrüßt. Eigentlich hätte sie uns die Grundidee des modernen dänischen Designs und auch des Designmuseums „We share design“ nicht erklären müssen, denn in der Ausstellung wurde die Idee „gutes Design für alle“ deutlich: Von verschiedenen Seiten rief es: „Das kenne ich.“, „Das habe ich.“, „Das gibt’s bei IKEA“.

Raum the danish chair

Wir sahen die legendären Dänischen Designmöbel, u.a. Lampen von Poul Henningsen, die Sitzmöbel „Ameise“, „Ei“ und  „Schwan“ von Arne Jacobsen, Uhren, Radios, Brillen, Küchengeräte von Jacob Jensen, Sessel von Boerge Morgensen, die Stühle von Poul Kjaerholm.

Die Sammlung, 1890 gegründet, zog 1926 in das Kongelige Frederiks Hospital. Unklimatisiert, mit wackelnden Fußbodenplatten und recht kleinen Räumen ist es eine Herausforderung, dort Design auszustellen. Beim Café im wunderschönen grünen Innenhof mit uralten Lindenbäumen und Spalierobst erholten wir uns von der Hitze im „Porzellanraum“ und in der „Stuhlröhre“.

Am Nachmittag ging Jeder seiner Wege durch Kopenhagen. Die „Rundfahrt durch den Pfälzerwald“, die aus Versehen noch vom letzten Jahr im Programmblatt stand, war ohnehin nicht zu realisieren. Aber auch die tatsächlich vorgesehenen Galeriebesuche wären angesichts der Hitze zu anstrengend gewesen.

Die Grundtvigs Kirke

Am dritten Tag stand Louisiana Museum of Modern Art auf dem Plan. Weil wir einen Bus für den Weg 35 km nördlich von Kopenhagen gechartert hatten, machten wir vorher einen lohnenswerten Abstecher zur Grundtvigs Kirke.

Die Grundtvigs Kirke war ein Tipp unseres Freundeskreismitglieds Angelika Wedel, die bei den jährlichen Dänemarkurlauben schon in ihrer Kindheit an einer beeindruckend großen Kirche vorbeigefahren, aber nie hineingekommen war. Die Neugier blieb und verhalf uns zu dieser Entdeckung: Im Kopenhagener Stadtteil Bispebjerg, inmitten eines  zur Kirche passenden 1920er-Jahre-Wohnviertels steht die sehr imposante Kirche, komplett aus gelben Ziegeln (ca. 6 Millionen) bestehend. Die Grundtvigs Kirke (Bauzeit 1921-1940) ist ungewöhnlich, weil im expressionistischen Stil, und gewaltig mit gotischer Hallenkirchen-Ausstrahlung und dennoch in ihrer Schlichtheit durch die gelben Ziegel wunderschön.

Lousiana Museum, Alberto Giacomettis „Der schreitende Mann“

Louisiana Museum of Modern Art ist eine schöne Museumsanlage in einem Park direkt am Oeresund – mehrere Gebäude unterschiedlichster Größe, Form und Ebenen, die miteinander verbunden sind. Auf der Wiese tollten viele Kinder, im Café saßen die Eltern und alles ist Kunst: Rasen, Bäume, Skulptur, Architektur, Bilder, Installationen und natürlich der Blick aufs Meer.

Jeder aus unserer Gruppe hat etwas für sich entdeckt: Einige freuten sich, die Werke Alberto Giacomettis zu sehen. Wer verpasst hatte, sie in verschiedenen Museen Deutschlands zu besuchen, fand hier als Sonderausstellung Gabriele Münter (1877-1962), deren Schaffen in der Künstlergruppe „Blauer Reiter“ bei München begann. Eigentlich passte sie nicht ganz ins Museum, denn „Modern Art“ nimmt man hier ernst: Kunst seit 1945 – europäischer Neuer Realismus,  amerikanische Pop Art, die 1980er mit Anselm Kiefer, Georg Baselitz, Skulpturen von Henry Moore, Joan Miró, Max Ernst, Max Bill und junge Künstler, die durch ihre Arbeiten auf sich aufmerksam machen und deren Namen man dennoch vergisst, weil es einfach zu viele sind.

Auf der Rückfahrt entlang des Oeresund nahmen wir den dänischen Wohlstand in Augenschein: Villen und schöne alte und moderne Häuser am Meer, Yachthäfen mit unendlich vielen Segelbooten, Golfanlagen usw.

Karen Blixen Museum, Speisezimmer

Kurzen Besichtigungshalt machten wir im Karen Blixen Museet in Rungstedlund. Die dänische Autorin ist bekannt durch ihr Buch „Jenseits von Afrika“ (1938), in dem sie ihr Leben auf ihrer Kaffeefarm in Kenia 1913 – 1930 verarbeitet.
Am letzten Abend in Kopenhagen gab es ein gemeinsames Abendessen im „Fru Nimb“, einem der 37 Restaurants im Tivoli Vergnügungspark.

Häufig waren wir auf dem Weg zum Hotel schon am farbenfroh Illuminierten Tivoli vorbeikommen und daher nun besonders neugierig, was dieser 1843 eröffnete, zentrale, kompakte Vergnügungspark zu bieten hat. Für Jeden (auch Rummelplatzmeider) ist etwas dabei: Ein sehr gut gestalteter Park und Garten, Kabarett, Theater, Livemusik, Geschäfte, Restaurants, gewagte Phantasiebauten und natürlich Achterbahnen, Kettenkarussell und weitere moderne und nostalgische Fahrgeschäfte.

NY Carlsberg Glyptotek

Am Abreisetag hatten wir nur bis 12 Uhr Zeit. So vieles hatten wir beim Vorbeifahren und -gehen gesehen, was wir gern noch besucht hätten: Nationalgalerie, Botanischer Garten, Nationalmuseum, Schloss Rosenborg mit Park, Schloss Charlottenborg. Eine kleine Gruppe besichtigte unter minutiöser Nutzung der Linienbusse pünktlich zur Öffnungszeit 10 Uhr den Rundturm „Rundetaarn“ aus dem 17. Jahrhundert mit  spiralförmigem Aufgangsweg, an dessen Ende uns ein wunderbarer Ausblick auf Kopenhagen belohnte. 11 Uhr öffnete die Glyptotek, ein imposantes Gebäude, in dem 1888 der Bierproduzent Carlsberg seine Privatsammlung antiker Skulpturen und der damals aktuellen Kunst des Impressionismus sowie Skulpturen von Rodin und Degas der Öffentlichkeit zugänglich machte. Eine halbe Stunde blieb uns, den Palmengarten im Kuppelbau und die Französischen Impressionisten zu bewundern. Dann ging es zum Flughafen. Zu Hause in Leipzig erzählt uns „unsere“ Ausstellung „Made in Denmark“ jetzt viel mehr.

Inka Kirste
Mitglied Freundeskreis

Exkusionsteilnehmer 2018

 

 

 

Informationen zum Artikel:

Autor:
Datum: Montag, 20. August 2018 22:18
Themengebiet: Archiv, Exkursionen, Terminübersicht

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