Exkursion Villa Esche und Schloß Lichtenwalde

Villa Esche

Hintereingang, Villa Esche

Villa Esche Speisezimmer

Villa Esche Restaurant

Villa Esche Gartenansicht

Schloß Lichtenwalde

Schloß Lichtenwalde Hof

Chinesisches Zimmer

Schloßkirche

Freisitz Schloßpark Lichtenwalde

Schloßpark Lichtenwalde

Rosenrondell Schloßpark

Kronenbassin

Bericht zur Tagesexkursion Juni 2018 nach Chemnitz und Lichtenwalde

Die alljährlich stattfindende Tagesexkursion des Freundeskreises Grassi Museum für Angewandte Kunst führte uns am 16. Juni 2018 mit 47 Personen in den Südwesten Sachsens. Genauer gesagt auf den 328 m hohen Kaßberg in der Metropolregion Chemnitz, wo sich in der Parkstraße 58 die ehemalige Villa des Strumpffabrikanten Herbert Eugen Esche befindet. Die Arbeitsgruppe Jugendstil war vor vielen Jahren schon einmal unter der Führung von Georg Brühl im Haus, der dem Museum bei der Beschaffung und Möblierung beratend zur Seite stand. Das in den Jahren 1902 bis 1903 errichtete schmucklose und etwas trutzig anmutende Haus wurde nach den Plänen des belgischen Jugendstilkünstlers Henry van de Velde gebaut. Es war sein Debüt als Architekt und der Einstand für nachfolgende Bauten in Deutschland. Um die gewisse Strenge der Villa etwas zu mildern, wurde diese 1911 im Zuge der Erweiterung in einem intensiven Gelbton angestrichen. Obwohl überall in Mitteleuropa der Jugendstil in all seiner Verspieltheit und Lieblichkeit seine Blüte erlebte, war van de Velde mit seiner an diesem Bau sichtbaren rationellen Auffassung des Jugendstils seiner Zeit voraus. Er verzichtete weitgehend auf Jugendstildekore und lässt das Haus nur in der klaren architektonischen Formensprache sprechen. Der rötliche Rochlitzer Porphyrtuff, die blau angestrichenen Fenster und Türen sowie der ockergelbe horizontale Rutenputz kontrastieren harmonisch und wirkungsvoll. Die Führung durch das Haus brachte viel Interessantes über die Auffassungen und das weitgefächerte Schaffen des Künstlers zutage und wir erfuhren etwas über die wechselvolle Geschichte des Hauses bis hin zum baulichen Verfall. Infolge des Leerstandes seit 1989 erwarb die Chemnitzer Grundstücks- und Gebäude-wirtschaftsgesellschaft im Jahre 1998 nur noch eine Ruine. Davon ist jedoch nichts mehr zu spüren, die Sanierung der Villa Esche von 1998 bis 2001 ist ein Glücksfall für Chemnitz. Das Haus beherbergt seitdem ein Henry van de Velde Museum (als Dependance der Kunstsammlungen Chemnitz), in dem besonders das ehe-malige Speisezimmer, der Musiksalon sowie das Badezimmer mit seinen 60 Quadratmetern faszinierten. In der obersten Etage befindet sich noch eine Kabinettausstellung über die Familie Esche und die 1685 gegründete Braut-suppengesellschaft; das Haus ist auch eine Eventlocation für diverse Veranstaltungen. Nach einem Rundgang durch den parkähnlichen Garten der Villa Esche fuhr uns der Reisebus zum Mittagessen nach Niederwiesa, einem verträumten Ort in der Nähe von Schloss Lichtenwalde. Das Restaurant „Schwalbennest“ ist für Freundlichkeit, Sauberkeit und der guten Küche wegen schon lange kein Geheimtipp mehr. Sehr bemerkenswert fand unsere Tischgesellschaft neben dem ausge-zeichneten Hauptgang das angebotene Dessert. Wir bestellten einen „Espresso mit einer kleinen Überraschung“. Die kleine Überraschung entpuppte sich als ein Schälchen mit einer formidablen Crème brûlée sowie einem Kügelchen Mousse au Chocolat. Die karamellisierte Deckschicht der Crème brûlée zersprang leise knisternd unter dem Druck des Löffels, um dann gepaart mit der darunter befindlichen Crème im Mund zu einem Festival der Sinne zu avancieren. Der zarte vanillig-sahnige Geschmack der Crème, die sich auf der Zunge mit dem Geschmack des Karamells verband, war unbeschreiblich und erzeugte ein Gefühl tiefster Zufriedenheit. Dieser völlig unerwartete Gruß aus Frankreich in der Provinz hätte sogar über einen völlig verregneten Nachmittag hinwegtrösten können. Wie gesagt hätte…, denn getreu dem Motto des ausführenden Reiseunternehmens „Mit Vetter gibts meist gutes Wetter“, erlebten wir nach dem sehr unterhaltsamen Rundgang im Barockschloss Lichtenwalde im Anschluss den Park im schönsten Sonnenschein. Das prachtvolle und kostbar ausgestattete Barockschloss (1722 bis 1726) wurde nach einem verheerenden Brand 1905 neu erbaut. Den Höhepunkt der Repräsentationssäle im 1. Stock bildete das Chinesische Zimmer mit den sog. Tapeziertapeten aus der Zeit des Schlossbaues – 34 chinesische Holzschnitte und Tuschzeichnungen in einer Holzrahmung. Die barocke Parkanlage mit ihren 100 Wasserspielen befindet sich in einem sehr gepflegten Zustand. Die reichlichen Blütenrondelle, Amphoren und Statuen, das Brunnengeplätscher und der betörende Duft der Linden verleihen das Gefühl, irgendwo zwischen dem Garten Eden und dem sonnigen Süden zu sein. Spätestens auf dem Freisitz des Park-Cafés, wo man leckere Erdbeertorte schnabulieren konnte, war man dem Himmel ein Stück näher. Als besonderes Bonmot wurde die Sahne aus einem Siphon auf die Torte appliziert. Man kam dem französischen „Savoir-vivre“ recht nahe; das Genießen von Produkten, die man mag, in einer angenehmen Atmosphäre, die Leib und Seele gleichermaßen streichelt. Ein Ort also zum „dolce far niente“ machen, dem süßen Nichtstun der Italiener, einfach hinsetzen und die Seele baumeln lassen. Durch die vielen Trauungen im Schloss ist eine Braut im weißen Hochzeitskleid das Tüpfelchen auf dem i im Parkambiente und steigert nochmals das geschilderte Empfinden. Es hätte nicht verwundert, wenn zum Schluss auch noch Rosamunde Pilcher und Hedwig Courths-Mahler als Quellnymphen aus den zahlreichen Wasserbecken aufgetaucht wären, um die Besucher des Parks etwas zu necken. Wir möchten uns bei den Initiatoren des Ausflugs, Frau Weidig und Herrn Prof. Engewald, recht herzlich bedanken, die wie immer alles perfekt abgestimmt hatten. Es war ein richtig schöner und sehr kalorienreicher Tag.

Steffen König
Freundeskreis

Informationen zum Artikel:

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Datum: Mittwoch, 27. Juni 2018 22:08
Themengebiet: Allgemeine News, Veranstaltungen & Exkursionen

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