Jugendstil & Wiener Melange

Mehrtages-Exkursion 2016 des Freundeskreises Grassimuseum

Am 21. Juli 2016 begann der mehrtägige Ausflug des Freundeskreises nach Wien mit 31 Personen an Bord. Nach dem Auschecken im Flughafenterminal Wien-Schwechat begann gleich eine Stadtrundfahrt. Der Stadtbilderklärer war Herr Magister Zillinger, der mit Wiener Schmäh die wichtigsten Sehenswürdigkeiten vorstellte.

Das große Palmenhaus im Schloßpark Schönbrunn

Das große Palmenhaus im Schloßpark Schönbrunn

Im Anschluss daran war fakultativ der Besuch von Schloss Schönbrunn mit seinem herrlichen Park, nebst dem riesigen Palmenhaus, erbaut 1882 von F. Segenschmid, möglich. Der spätbarocke Park ist seit 1996 Weltkulturerbe der UNESCO.

Strudelbackdiplom für Frau Krabbes

Strudelbackdiplom für Frau Krabbes

Für den kleinen Hunger zwischendurch gab es dann im Café Residenz eine Wiener Köstlichkeit in Form des hier allgegenwärtigen Apfelstrudels. Das Rezept stammt aber ursprünglich aus der Türkei. Das kurze Intermezzo wurde abgerundet von einer Mini-Strudelbackshow. Die tatkräftige Mithilfe von Frau Krabbes wurde mit der Aushändigung eines Ehrendiploms belohnt und hiermit aktenkundig gemacht. Danach fuhren wir zum Hotel Kummer, einem charmanten Hotel aus der Belle Époque.

Stiegenhaus im Hotel Kummer

Stiegenhaus im Hotel Kummer

Zum eleganten Stiegenhaus mit den prächtigen Kandelabern und Kronleuchtern passte gefühlt wohl eher ein schönes Abendkleid statt Jeans und Ballerinas. Für das kulinarische Wohlergehen sorgte der k. u. k. Hofzuckerbäcker Gerstner, gegr. 1847. Die Firma bewirtschaftet heute einige der berühmten Hotels Wiens gastronomisch. Nach dem Abendessen im Hotel versammelte sich, nicht abgesprochen, peu à peu der Großteil unserer Reisegesellschaft im Museumsquartier Wien. Ein einladender Ort zum Tagesausklang, bedingt durch zahlreiche Freisitze. Das Museumsquartier gehört mit den beiden benachbarten Museen und der Hofburg zu den größten Kultur-Bezirken der Welt.

Treffen vor dem MAK Wien

Treffen vor dem MAK Wien

Der folgende Tag war geprägt vom Besuch des Österreichischen Museums für Angewandte Kunst (MAK). In Vertretung des Direktors, der sich außerhalb von Wien aufhielt, wurden wir von Dr. Rainald Franz, Kustode für Glas/Keramik sowie der Provenienz-Forschung und Restitution im MAK Wien begrüßt. Danach wurden wir durch das Haus geführt, im Fokus stand das Wien um 1900. Man zeigte besonders die Räume, welche neuartige Präsentationen der Exponate aufwiesen.

Begrüßung im MAK Wien durch Dr. Rainald Franz

Begrüßung im MAK Wien durch Dr. Rainald Franz

Wir wurden mit diesen neuen Konzepten vertraut gemacht. Im Anschluss konnte jeder nach seinem Gusto das Haus für sich erobern, das Designlabor bot einiges, auch zum Schmunzeln. Wer sich dann an der Fülle der Kunstwerke sattgesehen hatte, konnte es sich im Café-Restaurant Plafond, direkt im MAK, gutgehen lassen. In drei verschiedenen Bereichen, innen und außen, fiel sicher nicht nur mir das schöne Keramikgeschirr mit den nicht ganz alltäglichen Gerichten auf. An dieser Stelle möchte ich auch gleich auf das Novum des diesjährigen Ausflugs hinweisen. Außer den Programmpunkten gab es genügend freie Zeit, individuell zu verweilen oder das Fakultativangebot nicht zu nutzen und stattdessen etwas Anderes zu unternehmen.

Ein nachmittäglicher Rundgang durch die Wiener Altstadt, unter der Leitung einer örtlichen Fremdenführerin, folgte dem MAK Besuch.

Vor der Galerie Slavik

Vor der Galerie Slavik

Die Führung endete in der Himmelpfortgasse vor der Galerie Slavik für zeitgenössische internationale Schmuck-kunst, die in diesem Jahr ihr 25-jähriges Jubiläum feiert. Frau Renate Slavik vergibt jährlich zur Grassimesse den Grassipreis der Galerie Slavik. Es gab einen herzlichen Sektempfang mit allerlei Knabbereien und natürlich ganz viel zeitgenössischen Schmuck (1. Jubiläumsausstellung „Schmuck Stadtgespräch“).

In der Galerie Slavik

In der Galerie Slavik

Im Gegensatz zum Museum konnte man diesen auch einmal anfassen und sogar anlegen. Den Abend verbrachten wir in der Gasthausbrauerei „7 Stern Bräu“. Nach dem Genuss des Original Wiener Schnitzels und diversen 7 Sterne Bieren sah man trotzdem keinen einzigen Stern. Der Legende nach brachte Feldmarschall Radetzky das Originalrezept des Wiener Schnitzels 1857 aus Italien mit, erzählte uns jedenfalls die Stadtführerin am Nachmittag.

Der Sonnabend war bis 14 Uhr zur freien Verfügung; die meisten Teilnehmer besuchten Naschmarkt und das Ausstellungsgebäude Secession.

Museumsquartier - MUMOK

Museumsquartier – MUMOK

Meine Frau und ich suchten nochmals das Museumsquartier auf, um uns das MUMOK-Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien von innen zu betrachten. Das aus dunkelgrauer Basaltlava errichtete Gebäude wurde im Jahre 2001 eröffnet. Der Entwurf stammt vom Architekturbüro Ortner & Ortner, genau wie das gegenüberliegende kontrastierende Pendant Leopold Museum mit weißer Muschelkalkverkleidung. Im MUMOK werden Bilder und Objekte ab etwa 1910 gezeigt. Pablo Picasso, René Magritte, die Expressionisten, American Pop Art und Bilder oder Installationen bis in die heutige Zeit sind vertreten, sicher für jeden etwas dabei.

Linke Wienzeile - Architekt Otto Wagner

Linke Wienzeile – Architekt Otto Wagner

Um 14 Uhr begann die Otto-Wagner-Rundfahrt wieder mit Herrn Magister Zillinger. Es fiel auf, dass der Otto Wagner im Wiener Dialekt mindestens drei a haben müsste. Der Architekt und Baulöwe Otto Wagner (1841-1918) ist der Übervater des Wiener Jugendstiles. Seine Schüler wie zum Beispiel J. M. Olbrich, Josef Hoffmann oder Otto Schönthal, um nur einige zu nennen, traten in seine Fußstapfen.

Innenansicht Kirche am Steinhhof / Arch. Otto Wagner

Innenansicht Kirche am Steinhof / Arch. Otto Wagner

Die Fahrt endete zum krönenden Abschluss an der Otto-Wagner-Kirche am Steinhof, auf dem Gelände der ehemaligen Niederösterreichischen Landesirrenanstalt. Die Anstaltskirche ist dem heiligen Leopold gewidmet. Wem nicht schon das Äußere der Kirche begeisterte, so trat der Wow-Effekt spätestens beim Eintritt selbiger auf. Kein Wunder also, dass dieses Bauwerk, neben dem Secessionsgebäude von Wagnerschüler Joseph Maria Olbrich, eines der Hauptwerke des Wiener Jugendstiles ist. Der Kustos Herr Oberamtsrat Paul Johannes Keiblinger stellte uns persönlich das Nonplusultra vor, ein Muss für jeden Wienbesuch. Wie sich dann später herauskristallisierte, war es für die Mehrzahl der Teilnehmer der absolute Höhepunkt der Reise nach Wien. Der Tag endete vorerst beim Heurigenwirt Werner Welser in Heiligenstadt, wo wir bei Schrammelmusik ein Buffet und den besagten Heurigen zu uns nahmen. Unterbrochen durch die Busfahrt ins Hotel ließen wir den Tag mit viel Pläsir auf dem Freisitz vom Hotel in größerer Runde ausklingen.

Der Abreisetag stand wieder individuell zur freien Verfügung, nicht wenige Grassifreunde besuchten mit uns gemeinsam die unvergleichliche barocke Schlossanlage Belvedere, eine Glanzleistung des Architekten Lucas von Hildebrandt (1668-1745). Im Unteren Belvedere erwartete uns völlig unerwartet eine Franz-von Stuck-Ausstellung, die man in der gezeigten Komplexität wahrscheinlich nicht so bald wiedersehen wird. Viele in Privatbesitz befindliche Bilder werden gezeigt, die man in der Villa Stuck in München vergeblich suchte. Auch wird hier recht deutlich sichtbar, dass Stuck nicht nur düstere Bilder malte und er kein Kind von Traurigkeit war. Der eigentliche Grund des Belvedere-Besuches galt den im Oberen Belvedere befindlichen Gemälden von Gustav Klimt, welche allerdings dicht umlagert waren. Die Zeit verging wie im Fluge und schon mussten wir zurück zum Hotel Kummer, was uns trotz des Namens keinen Kummer machte. Wir nahmen unser Gepäck auf, die digitalen Zimmerschlüssel hatten wir schon am Morgen retourniert, sagten leise Servus und bestiegen den Bus zum Flughafen Wien-Schwechat. Mit dem Airbus A321 flogen wir zunächst nach Frankfurt/Main, um mit dem etwas kürzeren Airbus A319 nach Leipzig weiter zu fliegen. Zum Schluss vielen Dank  an Frau Weidig und Herrn Professor Engewald für das wirklich tolle Programm. Eigentlich dachte ich immer, die Fahrt nach London sei nicht zu toppen, aber nach den Tagen in Wien bin ich mir da nicht mehr so sicher. Wir hatten Kaiserwetter, wobei ehrlich gesagt Königswetter auch gereicht hätte, Regen nur nachts, was will man mehr.

Steffen König
Freundeskreis

Österr. Postsparkasse - Arch. Otto Wagner

Österr. Postsparkasse – Architekt Otto Wagner

 

Informationen zum Artikel:

Autor:
Datum: Montag, 8. August 2016 0:13
Themengebiet: Archiv, Exkursionen, Terminübersicht

Feed zum Beitrag: RSS 2.0 Kommentare und Pings geschlossen.

 

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Nicht zustimmen Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen