Berlin ist immer eine Reise wert! Exkursion vom 01./02.08.2015

Unsere jährliche Wochenendexkursion 2015 führte uns am 01./02. August nach Berlin. Die Schwerpunkte des Programms bildeten das Bröhan-Museum (Landesmuseum für Jugendstil, Art déco und Funktionalismus) sowie einige der bedeutendsten Wohnsiedlungen der 20er Jahre, die als Bauten der Moderne seit 2008 zum Weltkulturerbe zählen.

Villa Liebermann

Max Liebermann Villa, Berlin Wannsee

Das von Frau Angelika Wedel, Berliner Mitglied unseres Freundeskreises, ausgearbeitete Programm begann mit der Besichtigung des Einsteinturmes in Potsdam, erbaut 1919-1922 von Erich Mendelsohn. Danach ging es weiter mit dem Besuch der Villa von Max Liebermann am Berliner Wannsee. Sein „Schloss am Wannsee“ mit dem beeindruckenden Garten präsentierte sich bei schönstem Wetter in voller Pracht.

Siedlung Schillerpark, Berlin, Wedding

Siedlung Schillerpark, Berlin, Wedding

Eingang zur Weißen Stadt

Eingang zur Weißen Stadt, Berlin-Reinickendorf

Der Nachmittag war mit den Rundgängen durch die UNESCO-Weltkulturerbe-Siedlungen „Schillerpark“ und „Weiße Stadt“ als Beispiele für den sozialen Wohnungsbau der 20er und 30er Jahre in Berlin gut ausgefüllt. Die Siedlung „Schillerpark“ im Berliner Ortsteil Wedding wurde von Bruno Taut in den Jahren 1924-30 als erstes baugenossenschaftliches und großstädtisches Wohnprojekt Berlins für ca. 740 Einwohner geschaffen. Die „Weiße Stadt“ in Berlin-Reinickendorf wurde von den Architekten Salvisberg/ Ahrends/ Büning 1929-31 für etwa 2100 Bewohner erbaut.

Die Weiße Stadt Berlin-Reinickendorf

Weiße Stadt, Berlin-Reinickendorf

Ermöglicht wurden die insgesamt sechs Großsiedlungen, alle UNESCO-Weltkulturerbe, durch die 1925 in Kraft getretene Reformbauordnung in Berlin. Weg von den Mietskasernen und hin zu aufgelockerten Bauten mit viel Grün ringsum war das Motto.

Am Sonntagmorgen brach der seit Jahren reisefreudige Teil des Freundeskreises Grassi zu einer 90minütigen Spree-Bootstour auf. Bei feinstem Wetter betrachteten wir die Architektur Berlins vom Wasser aus. Nachdem wir wieder festen Boden unter den Füßen hatten, ging es in Richtung Bröhan-Museum. Dort sollte uns der Freundeskreis Bröhan erwarten.

Begrüßung duch Frau Dr. Bröhan

Begrüßung duch Frau Dr. Bröhan

Zu unserer großen Überraschung empfing uns die Ehefrau des inzwischen verstorbenen Unternehmers und Kunstsammlers Frau Dr. Margrit Bröhan in persona. Sie ist Kunsthistorikerin und leitete nach dem Tod ihres Mannes Karl H. Bröhan (1921 – 2000) in den Jahren 2000- 2003 das Bröhan-Museum. Wir erfuhren somit aus erster Hand etwas über die Entstehung der Sammlung bis hin zur Schenkung anlässlich des 60. Geburtstages von Karl H. Bröhan an die Stadt Berlin.

Die Kuratorin Frau Dr. Grosskopf

Kuratorin Fr. Dr. Grosskopf, Bröhan-Museum

Danach führte uns die junge Kuratorin Frau Dr. Anna Grosskopf mit Leidenschaft und Hingabe durch das Erdgeschoss, welches die elitäre Sammlung von europäischen Jugendstilmöbeln beherbergt. Aufgelockert von gut platzierten Zinn-, Glas- und Keramikobjekten genießt man die ganze Bandbreite des Jugendstils, begleitet von Grafiken, die um 1900 entstanden.

Die Sammlung Bröhan war seit 1973 in einer Villa in Dahlem öffentlich zugänglich. Das Konvolut zog 1983 infolge der ständigen Erweiterung der Bestände in das spätklassizistische Kasernengebäude im Charlottenburger Schlossensemble um. 1994 wurde das Bröhan-Museum Landesmuseum. Es ist ein kleines, sehr intimes Museum entstanden, das auch über die nationale Grenze hinaus bekannt ist. Es kommt ein ähnliches Gefühl in der Sammlung stehend auf, wie bei einem Besuch der „L’Ecole de Nancy“ in Lothringen. Beide Museen sind einmalige Orte des Jugendstiles, bei „Bröhan“ kann man allerdings auch noch die weitere Entwicklung über Art déco und Funktionalismus in gleicher Qualität betrachten. Das Werden und Wachsen des Museums konnte ich seit der Wende mit verfolgen, das im Erdgeschoss begann und peu à peu die übrigen Stockwerke eroberte. Durch die teilweise kräftige Farbgebung der Wände kommt gar nicht erst die sonst oft sterile Museumsatmosphäre auf, die Objekte werden gut präsentiert. Auch wirkt das Museum nicht so „vollgestopft“, obwohl etwa 16000 Exponate vorhanden wären. Der Schwerpunkt der ersten Etage mit der Bildenden Kunst ist speziell auf die Berliner Sezession ausgerichtet. Maler wie Walter Leistikow, Max Liebermann, Karl Hagemeister oder Hans Baluscheck waren typische Vertreter dieser deutschen Künstlergruppe. Diese Etage wird auch für Sonderausstellungen genutzt, im Moment werden Kimonos von Fukumi und Yoko Shimura gezeigt. Der Japonismus war ja eine der Inspirationsquellen des Jugendstils und passt wunderbar zur Dauerausstellung. Es ist sicher kein Geheimtipp mehr, aber immer wenn Textilien ausgestellt werden, ist es äußerst hilfreich, nach Helga Engewald Ausschau zu halten. Die Jahrzehnte im Grassi-Textilzirkel unter Leitung von Frau Dr. Paul haben Spuren hinterlassen, sie ist auf diesem Gebiet absolut sattelfest. Selbst bei Geweben, denen man scheinbar nichts abgewinnen kann, zeigt sie die Knackpunkte auf und bringt die speziellen Techniken gut vorstellbar (auch) an den Mann. In der 3. Etage hat sich die Ära des Art déco etabliert. Diese ist bedingt durch Kürze der Epoche (etwa 1920- 1940) und der im Kunsthandwerk verwendeten kostbaren Materialien bald noch rarer an Objekten musealen Ranges als die Schöpfungen des Jugendstils. Die industrielle Fertigung von Glas und Keramik nahm sich gern des Art déco „Zackenstils“ an und sorgte für dessen Verbreitung. Es ist dennoch ein reicher Fundus vorhanden und auch an dieser Stelle kann man einen gewissen Neid schwerlich unterdrücken. Die noch nicht zugängliche 2. Etage wird wohl in den nächsten Jahren auch noch Ausstellungsfläche, so jedenfalls äußerte sich Frau Dr. Bröhan, die Besucher würden sich darüber freuen. Durch die öfters wechselnden Sonderausstellungen lohnt es sich fast immer, bei einem Berlinbesuch im Bröhan-Museum mal zu schauen, was es Neues gibt.

Vor der Info Station

Info Station Hufeisensiedling, Berlin-Britz

Entrée der Hufeisensiedlung Berlin -Britz

Entrée der Hufeisensiedlung Berlin -Britz

Unsere Exkursion wurde am Nachmittag abgerundet durch die Besichtigung der von der UNESCO anerkannten „Hufeisensiedlung“ von Bruno Taut in Berlin-Britz. Auch hier empfingen uns zwei Vertreter des Freundeskreises Hufeisensiedlung. Das „Hufeisen“ als städtebauliches Zentrum der Großsiedlung Britz ist das Wahrzeichen des Berliner Siedlungsbaus der 20er Jahre. Die Architekten Bruno Taut und Martin Wagner konzipierten die Siedlung für ca. 3100 Bewohner, die dann in den Jahren 1925-30 erbaut wurde. Sie ist der Inbegriff des neuen sozialen Wohnungsbaus Berlins und gilt als die erste deutsche Großsiedlung mit mehr als 1000 Wohnungen. Wir sahen eine Wohnung im Originalzustand, nach einem längeren Rundgang durch die Siedlungsabschnitte auch ein Reihenhaus von innen. Nach einstündiger Verspätung erreichten wir, etwas reizüberflutet und geschafft den Bus.

Einen großen Dank an alle Akteure, es war wie immer etwas ganz Besonderes.

Steffen König
Freundeskreis

Informationen zum Artikel:

Autor:
Datum: Mittwoch, 9. September 2015 8:59
Themengebiet: Archiv, Exkursionen

Feed zum Beitrag: RSS 2.0 Kommentare und Pings geschlossen.

 

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Nicht zustimmen Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen