Exkursionsbericht Schloss Weesenstein und Stuhlbaumuseum Rabenau

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Schloss Weesenstein

Am Samstagmorgen, den 18.04.2015 trafen sich wieder viele kulturinteressierte Mitglieder unseres Freundeskreises (der vollbesetzte Reisebus wurde diesmal von einer sehr kompetenten Fahrerin gesteuert), um das Schloss Weesenstein und das Deutsche Stuhlbaumuseum in Rabenau zu besuchen.

Besuch Schloss Weesenstein

Mit dem Besuch von Schloss Weesenstein unternahmen wir einen Streifzug durch die wechselhafte sächsische Geschichte, die sich in zahlreich veränderten Besitzverhältnissen des Schlosses und dem Wandel des Schlosses von einer Trutzburg zum Prunkschloss widerspiegelt.

Von den zahlreichen Besitzern sollen folgende auszugsweise erwähnt werden:

–  Familie von Bünau, die das Schloss von 1406 bis 1772 von einer militärisch ausgerichteten unwirtlichen Burganlage zu einem repräsentativen Renaissance- und später Barockschloss umgestaltet und damit das heutige äußere Erscheinungsbild geschaffen hat,

–   die Wettiner, die in ihrer Ära von 1830 bis 1917 das Schloss für Regierungsgeschäfte,
als Rückzugsort von der Residenzstadt Dresden und als Treffpunkt europäischer Fürs-
tenhäuser nutzten,

–  verschiedene staatliche Institutionen (Landesverein Sächsischer Heimatschutz, Dresdner
Kunstsammlungen, Freistaat Sachsen), die seither darum bemüht sind, das Schloss mit umfangreichen Sanierungsarbeiten in einem repräsentativen Zustand zu erhalten und für interessierte Besucher zugänglich zu machen.

Schlosspark 1

Zu Beginn unserer Führung schilderte uns unsere Schlossführerin sehr emotional ihre Wahrnehmungen bei der Überschwemmungskatastrophe von 2002, als die Müglitz den barocken Schlossgarten vollständig verwüstete. Dank der tatkräftigen Soforthilfe von zahlreichen Freiwilligen sowie der Bereitstellung der erforderlichen Finanzmittel erstrahlen inzwischen die Parkanlagen wieder in vollem Glanz.

Der Gesamteindruck des Schlosses ist von der Raumanordnung sehr verwinkelt, was auf die Baufläche von ca. 70 m x 100 m mit insgesamt 20 Geschossebenen zurückzuführen ist, da sich das Schloss auf einem Felsplateau befindet.

Die umfangreiche und kompetente Führung ließ uns dabei nahezu alle Räume vom Keller bis zum Mönchsboden entdecken.

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Der Mönchsboden hat dabei weniger mit Mönchen zu tun, sondern beherbergt einige der ältesten Renaissancemalereien Sachsens (um 1540) und ein historisches Uhrwerk mit Ziffernblatt.

Interessant auch, dass sich im Schloss sowohl eine evangelische als auch eine katholische Kapelle befinden.

 

Evangelische Kapelle 1Die evangelische Schlosskapelle wurde zuerst errichtet und entstand nach Ideen von George Bähr, dem Baumeister der Dresdner Frauenkirche. Nach Bährs Tod wurde der Bau von dessen Nachfolger Johann George Schmidt ausgeführt, wobei der gesamte Innenausbau komplett aus Holz gefertigt wurde.

Da 1830 das katholische sächsische Königshaus das Schloss Weesenstein übernahm, benötigten die neuen Besitzer auch einen Andachtsraum, der ihrer Konfession entsprach. Diese Kapelle verlor bereits 1900 wieder ihre Funktion als kirchlicher Raum für Messen.

Über ein repräsentatives Treppenhaus im Unterschloss gelangt man direkt in den Speisesaal, dem „Salettchen“.

Hier schweift der Blick über kunstvolle Neorenaissancemalereien und trifft auf Julius Wachs, den Kammerdiener von Sachsenkönig Johann, der (natürlich als Puppe) aus dem Fenster schaut und seine Herrschaft erwartet.

Erwähnenswert sind auch die Prinzenzimmer, die mit Panoramatapeten ausgestattet sind, einer beliebten Modeerscheinung dieser Zeit. Diese Arbeiten stammen aus einer Manufaktur aus Rix im Elsass und stellen u.a. „Die Kämpfe der Griechen“ dar.

Schlossräume 16

Ein besonders beeindruckender Raum ist der Ledertapetensaal, der in seinem originalen Raumgefüge erhalten geblieben ist. In der wohldurchdachten Raumgestaltung spielt die Zahl „Vier“ eine bedeutende Rolle, denn es gibt vier Türen, vier Fenster und in der Deckenwölbung sind die vier Jahreszeiten dargestellt. Die Goldledertapete aus Mechelen (heutiges Belgien) wurde um 1720 angebracht und ist auf eine Holzlattung genagelt.

Die einzelnen Lederstücke sind zusammengenäht, wofür insgesamt 116 Ziegenhäute verarbeitet wurden.

Abschließend noch zwei Kuriositäten unseres ausführlichen Schlossrundganges:

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Zum einen waren im Ledertapetensaal kosmetische Spitzenprodukte aus den Chemischen Werken Miltitz / VEB Florena Waldheim in Originalverpackung zu bestaunen, und zwar die Parfümprodukte „Rafinesse“ und „Souvenir“ – so duftete es in der DDR!

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Zum anderen der Nachtstuhl im Ankleidezimmer, der von der Langen Galerie aus entsorgt wurde. Als transportables Wasserklosett gestaltet, galt er vor 150 Jahren als ausgesprochen modern (trotz sehr enger Platzverhältnisse) und sorgt bei Besuchern regelmäßig auch als Fotomotiv für Aufsehen.

Die Geschichte von Weesenstein von Trutzburg zu Prunkschloss hat einen tiefen Eindruck hinterlassen und bei manchen von uns den Wunsch geweckt, bald wieder mit Freunden oder Gästen hierher zurückzukehren.

 

 

Besichtigung des Stuhlbaumuseums Rabenau

Prospekt Stuhlmuseum 1

Prospekt Stuhlmuseum 2

Im Rahmen einer Sonderführung hatten wir anschließend Gelegenheit, das Stuhlmuseum  Rabenau und die Ausstellung „Kaffeehausstuhl & Avantgardmöbel“ zu besichtigen, in der ausgewählte Möbel des Sammlers Dr. Armin Mühlhoff (ein Bayer in Dresden) ausgestellt waren, der diese Objekte zum großen Teil selbst restauriert hat.

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Schwerpunkt der Ausstellung bildeten die Kaffeehausstühle, dabei u.a. der berühmte Wiener Kaffeehaus-Stuhl von 1859, der unter der Bezeichnung Stuhl Nr. 14 den wirtschaftlichen Erfolg der Firma Thonet begründete.

Bei den Ausstellungsstücken handelte es sich um Bugholzmöbel – also Möbel aus gebogenem Holz – die das Wohnen und Sitzen im ausgehenden 19. Jahrhundert dominierten.

Das Holzbiegeverfahren wurde um 1830 von Michael Thonet entwickelt.

Dabei wird das Holz (vorwiegend Buchenholz) zunächst durch Wasserdampf oder Kochen erweicht und anschließend gebogen. Nach dem Biegen werden die Formteile eingespannt getrocknet und so gegen Rückverformung gesichert.

Die Ausstellung weist einen engen Bezug zu Rabenau auf, denn hier begann mit der Firma „Sächsische Holzindustrie Gesellschaft“ 1869 der industrielle Stuhlbau in Sachsen, und zwar ebenfalls mit Bugholzmöbeln.

Ein Einblick in die über 400-jährige Historie und Tradition des Stuhlbaus in Rabenau wird im Maschinensaal des Museums gegeben.

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Eine sinnvolle und anschauliche Ergänzung bildet die kleine Ausstellung „Holz aus aller Welt in seiner Schönheit und Vielfalt“, die über viele Jahre von Christian Schmerler zusammengetragen wurde: Mehr als 100 Holzarten aus aller Welt werden in Form von kleinen Holzbüchern vorgestellt, die vom  Aussteller selbst in Größe und Form aus jeweils 17 Einzelteilen angefertigt wurden. Diese Ausstellung stellt den natürlichen Rohstoff Holz mit seinen vielfältigen Farben und Maserungen dar und regt den Besucher unaufdringlich zum Nachdenken über den Umgang mit Rohstoffen an. Mit großem Enthusiasmus vermittelte uns Herr Schmerler die Schönheit des Rohstoffs Holz.

Hervorzuheben ist auch die Tatsache, dass das Stuhlbaumuseum von einem Verein getragen wird, dessen Mitglieder den Betrieb mit großem Engagement in vorwiegend ehrenamtlicher Tätigkeit aufrecht erhalten.

 

Angela Schneeweiß
Mitglied Freundeskreis/Taucha

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Informationen zum Artikel:

Autor:
Datum: Mittwoch, 10. Juni 2015 21:18
Themengebiet: Archiv, Exkursionen

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