Zur Applikation mit Schnurdifferenzierung „Berühmte Bauwerke Leipzigs“ (200×150 cm)

Gesamtansicht Bildapplikation "berühmte Gebäude Leipzigs" / Leinen

Als ich am 12. April dieses Jahres über einige unserer großformatigen Textilarbeiten im GRASSI-Frühstück sprach, kam von Teilnehmern der Veranstaltung der Wunsch, über unser letztes Werk noch etwas ausführlicher zu berichten. Dieser Bitte komme ich gern nach, da nicht alle Interessierten diese Textilien sofort anschauen können. Zugleich wird damit der Tätigkeit unseres Arbeitskreises Textildesign ja auch stärkere Beachtung geschenkt.
Als nach dem „Hl. Thomas …“, ein Geschenk für den Thomanerchor Leipzig, eine Zeit lang individuelle Arbeiten von unseren Mitgliedern angefertigt worden waren, reifte doch wieder der Entschluss, eine größere Gemeinschaftsarbeit zu gestalten. Eine zentral gelegene Zahnarztpraxis bot sich dafür an, deren Wand hierfür geeignet erschien. In Absprache mit meinen Textildamen einigten wir uns schnell auf das Motivgut „Berühmte Bauwerke Leipzigs“, was uns auch deshalb passend erschien, weil sich die Praxis auf dem Augustusplatz befindet.

Universitätsgebäude Leipzig

Bauwerke wurden ausgewählt, wobei wir versuchten, unterschiedliche historische Bauepochen einzubeziehen. Damit die einzelnen Bauten, die alle in einem Maß im Hoch- oder Querformat eingefangen werden sollten, auf der Gesamtfläche nicht zu gleichförmig erscheinen, wollten wir zur Auflockerung  Bäume, historische Laternen und Pumpen einfügen. Das „Verteilen“ der einzelnen Elemente auf die Mitglieder des Arbeitskreises gelang sehr schnell, da ja alle Vorlieben für bestimmte Gebäude und die ergänzenden Teilformen haben. Nun konnte ich  den Gesamtentwurf anfertigen, der insbesondere die Anordnung der Hoch- und Querformate der Bauwerke in Kombination mit den kleinformatigeren Bäumen und anderen Motiven berücksichtigte. Um die Gliederung zu akzentuieren, fügte ich Linien ein, die Straßensysteme assoziieren könnten.

Nun ging die Arbeit richtig los: von den Gebäuden usw. wurden Fotos angefertigt, die eine Grundlage für die Entwürfe der Textilelemente bildeten. Als Material für die Applikationen wählten wir wiederum unterschiedliche Leinenstoffe, weil diese den Charakter der Oberflächenbeschaffenheit von Bauwerken am besten widerspiegeln. Zur Gestaltung der Bäume wollten wir Schnuren einsetzen, da sich durch sie geschwungene Liniengefüge besonders gut anlegen lassen. Schnurapplikationen eignen sich auch für die Differenzierung der Gebäude und der Kleinelemente, da sich z. B. Gebäudeunterteilungen und Dekorvariationen in dieser textilen Technik ausdrucksvoll darstellen lassen. Dass wir beim Erarbeiten der Teilformen stark abstrahieren und Detailformen weglassen mussten sowie auf zu viel fotografische Genauigkeit verzichteten, liegt schon in der Spezifik textilkünstlerischen Arbeitens begründet. Das Typische der Bauformen musste aber erkennbar bleiben. Die Bäume sollten als vegetabile Ornamente erscheinen, die in ihrer Form die Bauwerke so kontrastieren, dass eine ausgewogene Gesamtwirkung entsteht.
Die Erarbeitung aller Teile des Wandbehanges erfolgte entsprechend den einzelnen Teilschritten: Anfertigen der Papierschnitte, Zuschneiden der Stoffteile (Die Staffelung der Teilelemente erwies sich bei manchen Bauwerken als Schwierigkeit, z. B. beim Universitätsgebäude), Aufnähen der Gestaltungselemente auf die Einzelformate, Hinzufügen von Schnurdifferenzierungen.

Teil der Applikation

Ständige Absprachen waren notwendig, da das Gesamtformat eine Einheit sowohl in der Formensprache als auch in der Farbgebung bilden musste, was man sich im Gesamtentwurf nur in etwa vorstellen konnte. In der Realsituation waren dann doch Veränderungen notwendig, z. B. in der Anordnung der Bauwerke entsprechend der verwendeten Farbigkeit. Gerade solche operativen Entscheidungen machen den Reiz von großformatigen Gestaltungen aus, locken uns immer wieder, vielleicht auch deshalb, weil man nach Beendigung der Arbeit besonders froh darüber ist, dass man gemeinsam eine solche Herausforderung gemeistert hat.

Die Übergabe des Werkes am 29. Januar dieses Jahres -nach einjähriger Arbeit daran- zeigte uns wieder einmal, dass man alle Anstrengungen sofort vergessen konnte, wenn die Gestaltung in den Raum einbezogen ist! (Wir hatten nämlich irrtümlicherweise gedacht, dass diese Arbeit weniger aufwendig sein würde –wie konnten wir nur?). Die Freude der nunmehrigen „Besitzerin“ des Wandbehanges und der anderen Anwesenden über die Applikation war der Lohn für unsere Arbeit.

Übergabe durch Frau Dr. Paul

Und die Anmerkung der Inhaberin der Zahnarztpraxis, dass sie sich nun für die andere Wand ein Äquivalent wünschen würde, zeigte uns auch, dass sie von der Gestaltung der „Berühmten Bauwerke Leipzigs“ sehr angetan ist.

Also werde ich mich an die neue Arbeit machen, die aber nur ein großes Bauwerk und ornamentale Ergänzungen umfassen wird, um unsere Gemeinschaftsarbeit als Hauptakzent im Praxisfoyer wirken zu lassen.

Heidemarie Paul
Leiterin des Arbeitskreises Textildesign

Informationen zum Artikel:

Autor:
Datum: Samstag, 16. August 2014 18:03
Themengebiet: Archiv, Textildesign

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